AdWords-Account gesperrt: Google und die Monopolstellung

Der heutige Tag hatte eigentlich ganz gut angefangen. Bis die freundliche Email vom AdWords-Support eingetrudelt ist. Ihr AdWords-Account wurde deaktiviert. Statt deaktiviert könnte man auch gesperrt sagen. Der Grund? Fehlanzeige, Google hat es nicht nötig so was mitzuteilen. Nun, wäre ich nicht schon 3 Jahre AdWords-Kunde und hätte ich in dieser Zeit nicht schon etliche Tausend Euro an Werbeausgaben der freundlichen Tante Google in den Rachen geworfen, hätte ich vielleicht noch so was, wie ein kleines bisschen Verständnis für die Informationspolitik seitens Google. Man kann eben nicht jedem Mini-Kunden sagen, was er falsch macht. Da ich aber kein Mini-Kunde bin, hätte ich was anderes erwartet.

Noreply

Die Email wurde natürlich von der „adwords-noreply“-Adresse versendet, nicht dass man darauf noch antworten könnte. Also erst mal eine halbe Stunde mit der Suche nach der Support-Email-Adresse und Telefonnummer verbracht. Die freundliche Dame am Telefon erklärte mir dann, eine Anzeige zum Thema Abnehmen sei schuld. Diese hatte ich gestern Testweise geschaltet. Nun gut, im AdWords-Account sah alles gut aus, der Qualitätsfaktor war in Ordnung und die Anzeige aktiv. Andere AdWords-Kunden schalten fast identische Anzeigen zum gleichen Produkt, die laufen auch. Einen Verstoß gegen die Richtlinien sah ich erst mal nicht.

Freundlicher aber unfähiger Support

Die Dame vom AdWords-Support meinte dann, man dürfe keine irreführenden Angaben machen. Sowas wie „Schlank im Schlaf“ dürfe man nicht schreiben. Woher soll ich wissen welche Headline Google als irreführend empfindet? Mein Vorschlag war dann, ich lösche die Anzeige wieder, war ja eh nur ein Test. Die restlichen Kampagnen waren ja in Ordnung und haben Google gutes Geld gebracht. Aber nein, das würde nicht gehen, so der nette Support. Man müsse die Zielseite überarbeiten und den Text anpassen. Wozu? Weil Google sonst das AdWords-Konto nicht mehr aktiviert! Nun, da ich in diesem Fall keinen Einfluss auf die Zielseite habe, geht das leider nicht. Aber für Google spielt das keine Rolle, wird die Seite nicht geändert, bleibt der Account gesperrt. Auf die sehr hohen Einnahmen aus den regelkonformen Kampagnen verzichtet Google lieber. Ein eintägiger Test, der nicht mal einen Klick gebracht hat, ist ausschlaggebend für das ganze Konto. So spricht ein Unternehmen, das zu viel Geld hat und langsam aber sicher überheblich wird, bzw. wo Automatismen mehr Gewicht haben, als eine Mitarbeiterentscheidung.

Zeit für Alternativen

Da mir Google schon seit längerem Suspekt wird, hatte ich vorsorglich die zusätzlichen Werbeausgaben schon seit Monaten auf verschiedene Anbieter verteilt. Man will ja nicht von heute auf morgen seine Grundlage verlieren. Andere Anbieter haben wenigstens einen Support, dem man Sonderfälle schildern kann, und die nicht automatisiert ihre Kunden vergraulen.

Zudem finde ich die Anmaßung von Google langsam recht bedenklich. Google schreibt vor, wie der Inhalt einer Webseite auszusehen hat, für die man via AdWords Werbung machen will. Wenn Google keine Kampagnen darauf zulässt, gut, ihr Problem. Wenn die Seite sonst gut funktioniert, lass ich es lieber so und verzichte auf AdWords. Bei illegale Inhalten stimme ich einer solchen Google-Verhaltensweise zu, bei Formulierungen und Interpretationen von Werbeaussagen hört aber der Spaß auf. Und aufgrund einer solchen Vorschrift, einen ganzen Account mit etlichen Kampagnen zu sperren, ist dann ziemlich anmaßend.

Komisch finde ich auch, dass auf der Gegenseite bei AdSense die Einnahmen in den letzten Monaten bei konstantem Traffic immer weiter zurückgehen und die durchschnittlichen Klickpreise gesunken sind. Schießt sich Google mit seiner harschen AdWords-Politik langsam aber sicher nicht selbst ins Bein? Bing und Yahoo dürften sich freuen, mein Werbebudget wird jedenfalls erhöht, zumal die Kampagnen dort auch wesentlich bessere Resultate liefern und weniger kosten. Würde ich nicht noch Gmail und AdSense nutzen, würde ich Google liebend gern ganz den Rücken kehren. Ein paar Alternativen hatte ich bereits schon vorgestellt.



9 comments ↓

#1   Csaba Nagy on 04.18.11 at 23:32

Hallo!

Was ich schon mal in einem meiner Artikel geschrieben habe…Google formt immer mehr das Internet nach seinen Vorstellungen!

Leider hat Google noch nicht richtig gemerkt das es nicht mehr nur Google gibt und alle gesperrten zu der Konkurrenz abwandern…

Wie Du in Deinem Artikel gut geschildert hast schiesst sich Google vielleicht eh selber ins „Aus“!

MfG

Csaba Nagy

#2   Tobias on 04.19.11 at 09:11

Hi Csaba,

man kann bei Google zwar mittlerweile wenigstens einem Support anrufen und mit echten Menschen reden, die können aber in der Regel wenig bis gar nichts ausrichten. Wenn der Google-Algorithmus was sperrt, dann ist das Gesetz. Und sei es noch so unlogisch.

Grüße,
Tobias

#3   Adwords Account gesperrt on 09.04.11 at 12:20

Ja, das ist mehr als nur ärgerlich. Mir ist es ganz ähnlich ergangen. War jahrelange guter Kunde mit einem nicht kleinen Budget. Zuletzt ca. USD 30.000 monatlich. Das hat Google aber nicht daran gehindert meinen Adwords Account übernacht einfach so zu sperren (Ohne Warnung und ohne Angabe von Gründen versteht sich). Ich hatte meine Anzeigen bereits über mehrere Adwords Accounts verteilt, da zu viele Kampagnen liefen um alles in einem Account managen zu können. Das ist übrigens entgegen den Aussagen in den AGBs von Google völlig ok, wie man mir telefonisch bestätigt hat insofern man mehrere Accounts rechtfertigen kann (Anzahl der Kampagnen etc.). Über die nächsten Monate musste ich dann zusehen wie ein Account nach dem anderen geschlossen wurde. Oft aus ähnlichen Gründen wie bei dir. Bei mir entsteht langsam der Eindruck, dass Google es nicht wünscht, dass ihren Kunden etwas verkauft wird. Wir sollen am besten kräftig für die Adwords Werbung zahlen um die Besucher dann auf Webseiten zu leiten auf denen wir kostenlos Informationen und Produkte zur Verfügung stellen. Wie kann man auch nur auf die freche Idee kommen für Adwords Werbung zu zahlen um dann auf kommerzielle Webseiten zu verlinken???

Die Sache nimmt immer lächerlichere Ausmaße an. Traurig ist nur das es so gut wie keine reichweitenstarken und bezahlbaren Alternativen zu Adwords gibt. Zumindest nicht im deutschen Sprachraum. Man kann nur hoffen, dass Google in Zukunft noch die eine oder andere Klage vor dem Kartellamt in der EU verliert. Wäre ja nicht das erste Mal. Hier ein Artikel zum Thema: http://www.adwordsfreischalten.com/artikel/navx-verklagt-google.php (Achtung liebe Google Freunde, die verlinkte Seite beinhaltet neben dem Artikel auch ein kommerzielles Angebot! Bitte nicht Klicken! – So oder ähnlich hätte man das bei Adwords wohl gerne.)

Ich stimme dir voll und ganz zu wenn du sagst das Google nicht das Recht haben sollte zu entscheiden wie Werbetexte formuliert werden oder vorzuschreiben wie Landing Pages auszusehen haben. Ich erinnere mich noch dunkel an das oft propagierte „Do no evil“ im Mission Statement von Google. Diese Zeiten sind wohl vorbei!

#4   Lifetimeprovision on 11.24.11 at 19:33

Oh, da bin ich ja froh, mit meinen Negativ-Erfahrungen nicht alleine dazustehen. Ich habe festgestellt, dass bei Google anscheinend ein rotes Lichtchen angeht, sobald man das tägliche Budget ein bisschen reduziert, weil man vorübergehend vielleicht auch noch andere Ausgaben hat. Schwupps – schon ist eine Anzeige oder die ganze Webseite plötzlich nicht mehr Richtlinien-konform und soll umfangreich abgeändert werden, um das ultimative Surfer-Erlebnis zu kreieren. Einfach nur lächerlich. Und Affiliate-Links dürfen auch keine drauf sein, sonst wird es einfach mal eben als „Brückenseite“ deklariert. Aber ich scheiß drauf, geh jetzt jetzt zu Bing/Yahoo und Facebook. Irgendwann ist die Ära Google (gleich nach Gott) sowieso zu Ende, dann gibt es eine neue Supermacht im Net (vielleicht Anonymous?) Egal, wir werden sehen. Lasst den Kopf nicht hängen, es gibt auch noch andere Wege. VG

#5   Ferhat on 03.16.12 at 20:56

Hey Leute,

Da ich beantragt habe, dass meine Kampagne & Seite nach einem „Verstoß“ wieder aufgenommen wird, wurde ich nun komplett „rausgekickt“.

Nach meinem heutigen Telefonat sollen wohl die „Kontrolleure“ meine Seite wieder überprüft haben und ca. nach einer Stunde wurde mein Konto deaktiviert!
Hammer!

Wer kontrolliert da die Kontrolleure ob die Ihre Arbeit richtig machen und die von jetzt auf gleich über Existenzen entscheiden?

Protest:
Aus Protest, werde ich nach und nach all meine Google Aktivitäten einstellen (ja einschließlich mein geliebtes Android Smartphone, welcher auch keine Verwendung mehr finden wird) und mich für andere Anbieter (Advertising, Tools etc.) entscheiden, auch wenn ich dafür monatlich Geld zahlen muß. Adieu Google…

#6   Dirk on 02.05.15 at 16:23

Ich freu` mich ja so….. das ich nicht der einzige Idiot bin, der Google nicht versteht.
Bin (nein, war) Neukunde bei Adwords. Zwei kleine Affiliate Seiten die ich ohne Probleme bewerben durfte. (Dating, Liebeskummer) Mit der Dritten (Geld verdienen) verstieß ich auf einmal gegen die Richtlinien. Ich telefonierte mit den (zugegeben) netten Support und überarbeitet
meine „Verkaufsseite“. Ich befürchtete eine weitere Ablehnung, aber nein, gleich alles dicht machen!!! Ohne Feedback, ohne Alles.
Und auch bei mir sinken seit dem meine Adsense Einnahmen.
Was für ein Scheißladen!
@tobi2: vielleicht könntest du mal einen Artikel zu den Adwords Alternativen und deine Erfahrungen damit veröffentlichen!?

Gruß Dirk

#7   Tobias on 02.05.15 at 18:43

Ja, es gibt einige gute Alternativen zu AdWords. Da könnte ich in der Tat mal einen Artikel dazu schreiben. 🙂

#8   izzy on 03.06.16 at 17:18

Ich habe genau die gleiche unfassbare unverschämte Erfahrung gemacht.
Immer noch keine Ahnung, was Google gestört haben könnte, auf meine VIELEN zeitraubenden Angaben keine einzige Antwort, nur Pauschalaussage.
Dabei auch hier: Hatte AdWords-Kampagnen seit VIELEN Jahren, für einige verschiedene Webseiten. Nein, so geht man nicht mit Kunden um, egal, ob groß oder klein.

Vielen Dank für den guten Artikel.

#9   Tobias on 03.07.16 at 13:21

Hallo izzy,

für welche Themenbereiche hast du denn AdWords-Anzeigen geschaltet? Gerade im Bereich Abnehmen und Finanzen ist Google extrem streng geworden.

Viele Grüße,
Tobias

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